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TESTBERICHT:

Weiche Linien, gelber Lack!
Customumbau von Corvette-Spezialist Geiger Performance

"Copyright by CHROM & FLAMMEN 2003", Ausgabe: 03/02, Text: Bernd Bartels, Fotos: Björn Marek

Jetzt ist es passiert. Eine frühe Corvette kommt im Custom-Look daher.

Und angesichts fehlender Stoßstangen, geschlossener Karosserieöffnungen sowie einer nicht gerade klassischen Lackierung sehen einige schon der Untergang des Abendlandes gekommen. Für andere geht beim Anblick der Vette aber erst so richtig die Sonne auf! Wer hat nun recht? Die "Originalos", die abfällige Vergleiche zu einem "Nimm 2" mit Zitronengeschmack ziehen, oder die Jungs, die vor lauter Begeisterung "Gelbfieber" bekommen? Wir sind der Sache auf den Grund gegangen.

   
Leather inside! Die Häute von (einstmals) glücklichen Kühen veredeln Sitze und Verkleidungen. Cooler Kontrast: das in Wagenfarbe lackierte Armaturenbrett   Aufklappbarer Lüftungsschacht   Das Haubenemblem
 
Smoothie-besonders das Heck wirkt durch den Verzicht auf Stoßstangen und Nummernschildhalter so clean wie nie zuvor   Die "Rippen" an den Flanken kommen besonders gut zur Geltung, weil die umlaufende Zierleiste und das Flaggen- Logo entfernt wurden

Zum anderen "glänzte" die 58er Corvette mit Design-Gags,die nicht gerade zwingend an einen Sportwagen gehörten. Zunächst einmal trug sie einem generellen Trend im amerikanischen Automobildesign folgend Doppelscheinwerfer. Diese wurden von fetten Chromfassungen eingerahmt, deren Ausläufer fast bis zur Windschutzscheibe reichten. Viele beurteilen die Frontoptik deshalb als "zu ernsthaft" oder "verbissen", dabei stand doch gerade die Corvette für locker aus dem Hosenrohr geschüttelte Höchstleistung!

Aber auch an der mangelte es nach der 58er "Modellpflege". Das klingt angesichts von PS-Zahlen, die zwischen 230 und 290 lagen, zwar etwas übertrieben, stellte aber tatsächlich einen Rückschritt gegenüber den Vorjahren dar. Der Fairness halber muss allerdings gesagt werden, dass Chevrolet diesen Leistungsverzicht nicht freiwillig praktizierte. Vielmehr folgte man bei Chevy einem Aufruf der Automobilhersteller-Vereinigung AMA, sich nicht mehr an Rennsportaktivitäten zu beteiligen und damit auch einen Beitrag für mehr Sicherheit auf den Straßen zu leisten. Geistige Väter dieser schwer nachvollziehbaren Logik war eine Gruppe älterer Ratsherren im nationalen Sicherheitsrat. Übrigens dieselben "Auto-Experten", die wenige Jahre später eine Einrichtung durchsetzen, die das Anlassen von Autos bei nicht angelegten Sicherheitsgurt verhinderte. Das war besonders praktisch, wenn man seinen Wagen nur kurz von der Auffahrt in die Garage fahren wollte!

 
verchromte 16-Zoll-Felgen in Klassik-Optik   350 x 290: Der 350 ci große Smallblock produziert dank feiner Innereien satte 290 PS

Aber zurück zur "neuen" Corvette des Modelljahres '58' der zu viel Gewicht und zu viel Zierrat bei zu wenig Motorleistung vorgeworfen wurde. Diese Kritik galt mithin auch für das 59er Modell, dass Karl Geiger und sein Team für den Customumbau wählten, denn es unterscheidet sich ab Werk lediglich durch Details von seinem Vorgänger. Die Überlegung war, eine Corvette auf die Räder zu stellen , die genau das bietet, was der Vorlage angeblich abging, eine glatte Optik und ordentlich Power.

Karosserieseitig wurde deshalb alles weggelassen, was die Linienführung irgendwie stören könnte. Also verschwanden als erstes die vordere und hintere Sroßstange samt Nummernschildhalter in der Versenkung. Befreit wurde die Corvette außerdem von den bereits angesprochenen Scheinwerferzierleisten auf den vorderen Kotflügeln. Links und rechts des Kühlergrills schlossen die Münchener dann noch die dort ansässigen Karosserieöffnungen. Das Ergebnis ist eine 59er Vette, die so clean ist wie kaum eine zuvor.Ob man das "neue Design", das durch die gelbe Lackierung noch betont wird, nun liebt oder hasst, ist sicherlich Geschmacksache. Rund, im Sinne von stimmig, ist es aber allemal.

Wo einst die Auspuffenden durch die Stoßstangen lugten, glänzt die Geiger-Corvette mit einem sauberen Karosserieschwung

Und rund geht es auch unter der Motorhaube! Hier installierten die Geiger-Mannen ein 350-ci-Aggregat, das allerlei leistungsfördernde Teile auf Trab bringen.Das fängt ganz unten im Small Block mit einer geschmiedeten GM-Kurbelwelle an. Diese wird von acht Pink-Rods-Pleueln umklammert, an deren Ende wiederum acht TRW-Schmiedekolben auf und ab sausen. Die Zylinderköpfe entsprechen dagegen der Serie, lediglich der Ventiltrieb wird von einer Comp-Camps-Nockenwelle gemanagt. Sein Gemisch bezieht der 9,8:1 verdichtete V8 über einen Holley-Vergaser, für explosive Stimmung in den Brennräumen sorgt eine Zündung mit HEI-Verteiler. Bleibt noch die Eigenbau-Auspuffanlage zu erwähnen, die besonders im Heckbereich des Wagens andere Wege geht als der Serienteil: Durch den Wegfall der hinteren Stoßstange verschwanden nämlich auch die darin eingebetteten Auspufföffnungen, so dass sich die Abgasanlage neue Ausgänge suchen musste. Die befinden sich jetzt links und rechts vom minimalistischen Nummernschildhalter und unterstreichen so die weichen Linien der Geiger- Corvette. Die Motorleistung des derart modifizierten Agregats gibt Karl Geiger mit echten 290 PS an.

Eindeutig sportlicher als im Serientrimm geht es konsequenterweise auch beim Fahrwerk zu. Die Federn an der Vorderachse wurden gekürzt, und auch die hinteren Blattfedern erhielten eine Überarbeitung. Zusammen mit KYB-Stoßdämpfern liegt die Vette deshalb nicht nur satter, sondern auch deutlich tiefer als üblich. Verchromte Speichenfelgen im 15-Zoll-Format runden das Fahrwerkssetup zur Straße hin ab.

Wer das Vergnügen hat, auf dem Fahrersitz Platz zu nehmen, darf sich dann noch über ein lackiertes Armaturenbrett und Originalsitze mit Lederbezug freuen. Der Blick fällt auf das ebenfalls originale Dreispeichenlenkrad und die genialen Rundinstrumente dahinter. Artfremd ist hier lediglich der Schifter für die TH-400-Automatik, das "T-Stück" ist eigentlich im Ford Mustang beheimatet.

 
Jede Vette - die Optik dieses 59er Modells wird die Fangemeinde spalten   Smoothie - besonders das Heck wirkt durch den Verzicht auf Stoßstangen und Nummernschildhalter so clean wie nie zuvor

Bleibt zum Schluss nur noch die Frage, ob Karl Geigers Vorstellung von einer coolen 59er Vette auch bei potenziellen Käufern gut ankommt. Sie kommt- schon kurz nach dem Fotoshooting wurde "Mellow Yellow" von ihrem neuen Besitzer nach Hause gefahren.

Technik/Messwerte/Kosten

Corvette von Geiger Performance

Typ:

  • 59er Chevrolet Corvette Convertible

Motor:

  • OHV-V8, 350 ci, 5735 ccm, 290 PS
  • Verdichtung: 9,8:1
  • geschmiedete GM-Kurbelwelle
  • Pink-Rods-Pleutel
  • TRW-Schmiedekolben
  • Comp-Camps-Nockenwelle
  • Holley-Vergaser
  • Zündung mit HEI-Verteiler
  • Eigenbau-Auspuffanlage

Vorderachse:

  • gekürzte Schraubenfedern
  • KYB-Stoßdämpfer
  • Trommelbremsen

Räder:

  • Speichenfelgen in 8 x 15 Zoll
  • verchromt, mit Goodyear "Aquatred 3" in 205/60 R 15

Karoserie:

  • Komplettumbau, u.a. vordere und hintere Stoßstange samt Nummerschildhalter entfernt
  • Zierleisten entfernt
  • Öffnungen in den vorderen Kotflügeln geschlossen
  • Lackierung in Gelb metallic

Innenraum:

  • in Wagenfarbe lackiertes Armaturenbrett
  • Originalsitze und Verkleidungen mit schwarzem Lederbezug
  • originales Dreispeichenlenkrad
  • Shifter vom 66er Ford Mustang

Fahrleistungen:

  • 0-100 km/ h in 4,3 s
  • Topspeed 335 km/ h

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